Differentialrechnung

 

Inhaltsverzeichnis

 

 

Differentialrechnung. 1

Inhaltsverzeichnis. 1

1 Die Tagentensteigung als Grenzwert der Sekantensteigung. 3

1.1       Begriffe: 3

1.2 Erklärung : 3

1.3 Die Steigung im Punkt P (der Differentialquotient): 3

1.4 Anwendung für den Differentialquotienten. 5

1.5 Die Tangentensteigung der Funktion f(x)=3x² 24

1.6 Die Tangentensteigung der Funktion f(x)=3x²-2x+3. 64

2 Die 1. Ableitung der Funktion f(x) 96

2.1 Ableitungsregel bei einfachen Potenzfunktionen. 105

2.2 Ableitungsregel bei Potenzfunktionen mit Faktor vor der Potenz. 114

2.3 Ableitungsregel bei Summen und Differenzen von Potenzfunktionen. 123

2.4 Kleiner Ausflug in die Potenzen. 138

3 Ableitungsregeln verschiedener Funktionen. 180

3.1 Die Konstante Funktion. 181

3.2 Die Lineare Funktion. 198

3.3 Die Potenzfunktion ohne Faktor 211

3.4. Die Potenzfunktion mit Faktor 227

3.5 Die ganzrationale  Funktion. 238

3.6 Die Sinusfunktion. 253

3.7 Die Wurzelfunktion. 267

3.8 Die Funktion 1/x. 282

3.9 Die Ableitung eines Faktors vor der Sinusfunktion. 304

3.10 Die Ableitung der Summe mehrerer Funktionen (Summenregel) 322

3.11 Die Ableitung des Produktes mehrerer Funktionen (Produktregel) 342

3.12 Die Ableitung des Quotienten mehrerer Funktionen (Quotientenregel) 363

3.13 Die Ableitung von verketteten Funktionen. 387

3.14 Ableitung der Exponentialfunktion. 440

3.14.1 Vorgehensweise beim Ableiten. 477

4.1 Kurvendiskussion. 558

4.1.1 Einführung. 560

4.1.2 Ableitungen einer Funktion. 585

4.1.3 Monotonieverhalten der Funktion. 599

4.1.4 Symmetrieverhalten. 647

4.1.5 Nullstellen. 675

4.1.6 Lokale Extremwerte ( Minimum, Maximum ) 735

4.1.7 Hochpunkte und Tiefpunkte. 742

4.1.8 Grundlegende Bedingung. 751

4.1.9 Hinreichende Bedingung. 785

4.1.10 Sattelpunkte. 811

4.1.11 Wendepunkte. 844

4.1.12 Verhalten im Unendlichen. 891

4.1.13 Andere Beispiele. 907

4.1.14 Skizze. 938

4.2 Extremwertaufgaben. 958

4.2.1 Beispielrechnung für eine Extremwertaufgabe. 965

4.2.2 Eine Dose mit halbrundem Kopf 1052

4.2.3 Extremwertaufgabe „Zylinder im Kegel“. 1140

4.2.4 Die Fläche eines Fußballplatzes. 1205

 


1 Die Tagentensteigung als Grenzwert der Sekantensteigung

 

1.1   Begriffe:

 

1. Sekante                 

Eine Gerade, die eine Funktion in zwei Punkten schneidet.

 

2.Tangente                

Eine Gerade, die eine Funktion nur in einem Punkt berührt.

 

3.Steigung                             

Das Verhältnis zwischen der Gegenkatete  und der Ankatete im Steigungsdreieck.

 

ms = Sekantensteigung

mt = Tangentensteigung

 

1.2 Erklärung :

Hat eine Funktion keinen linearen oder konstanten Verlauf,  kann man die Steigung an einem bestimmten Punkt nicht direkt erkennen. Diesen Sachverhalt nennt man Tangentenproblem.

 

 

Im gezeigten Bild ist eine Funktion f gegeben, die im Punkt P einmal von einer Sekante geschnitten und von einer Tangente tangiert wird. Die Steigung der Sekante (Dreieck)  ist einfach auszurechnen, wenn die Funktionsbeschreibung, und zugleich die Punkte x und x+h auf der X-Achse bekannt sind. Die Breite h ( Dx) ist x+h minus x. Die Höhe des Dreiecks ( Dy) ist der Funktionswert f(x+h)  minus f(x).

Die Steigung des Dreiecks ist Allgemein:

 

ms = Gegenkthete / Ankathete = Dy/Dx

 

Also ist die Sekantensteigung ms:

 

 

x und –x entfällt

 

1.3 Die Steigung im Punkt P (der Differentialquotient):

Nun ist aber die Sekantensteigung nicht die Steigung im Punkt P. Der Trick ist nun den Punkt Q auf der Funktion zum  Punkt P zulaufen zu lassen, so dass sich aus der Sekante die Tangente ergibt, wenn Q und P gleich sind. Dabei wird h immer kleiner und wird schließlich Null.

Man sagt: Die Tangentensteigung ist der Grenzwert der Sekantensteigung wenn h gegen Null geht. Hier ist eine Flash-Animation "Die Ableitung als Grenzwert" zur Veranschaulichung.

 

 

Das ist der Differentialquotient.

 

 

1.4 Anwendung für den Differentialquotienten

 

Gegeben ist die Gleichung 2. Grades  

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Gesucht wird nun die Steigung der Funktion im

Punkt x = 2.

 

In die Formel für die Sekantensteigung

 

 

 

setzen wir unsere Funktionsgleichung ein, indem für jedes x in der Funktionsgleichung (x+h) eingesetzt wird und noch mal abgezogen wird. In den Nenner kommt dann noch h, fertig ist die Formel zum Differentialquotient.

 

                 Klammer auflösen       

        x² fällt raus 

           h wird gekürzt                                                

        

 

 

 

Da wir uns bereits überlegt haben, dass beim Zusammenlaufen der Punkte P und Q, h gegen Null geht, gilt für die Tangentensteigung mt

 

 

Da h gegen Null geht fällt es raus und mt ist

 

 

Also gilt für jeden Punkt auf der Funktion  die Tangentensteigung

 

 

 

In der Aufgabenstellung am Anfang war nach der Tangentensteigung im Punkt x=2 gefragt also ist mt = 2*x = 2 * 2 = 4

 

 

Die Steigung der Tangente im Punkt x = 2 beträgt 4.

 


1.5 Die Tangentensteigung der Funktion f(x)=3x²

 

Gegeben ist jetzt die Funktion

 

 

Gesucht ist wieder die Tangentensteigungsfunktion.

 

Funktion einsetzen

 

Klammer auflösen

3x² fällt raus

 

h wird gekürzt

 

Da h gegen Null geht gilt

 

 

 

 

 

 

 

Jetzt kann man für jeden Punkt auf der Funktion f(x)=3x² die Tangentensteigung bestimmen.

 

 

Beispiel:

 

Gesucht ist die Steigung im Punkt x = 3

 

mt = 6 * x = 6 * 3 = 18

 

Die Steigung der Tangente im Punkt x = 3 beträgt 18.

 

 

1.6 Die Tangentensteigung der Funktion f(x)=3x²-2x+3

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Wenn die Funktionsgleichung komplexer wird, kann man beim Einsetzen einfach folgende Regel beachten.

 

Textfeld: Für jedes x in der Funktionsgleichung  (x+h) einsetzen, und dann die Funktionsgleichung einfach noch mal abziehen. In den Nenner kommt dann noch h und fertig ist der Differentialquotient.

 

 

 

 

 

 

Also gilt:

 

 

eingesetzt in

 

ergibt

 

ausmultiplizieren

 

 

 

Zusammenfassen

 

h kürzen

 

 

 

 

Für jeden x-Wert der Funktion f(x)= 3x²-2x+3 ist die Tangentensteigung mt = 6x - 2

 

 

2 Die 1. Ableitung der Funktion f(x)

 

In der Mathematik wird die Tangentensteigung einer Funktion f(x) als 1. Ableitung bezeichnet, und mit f’(x) bezeichnet.

 

Den mühsamen Fußweg zur ersten Ableitung, über den Differentialquotienten, haben wir auf den vorherigen Seiten ausführlich behandelt.

 

Allerdings gibt es für die meisten Funktionen Ableitungsregeln, die uns das Leben erheblich vereinfachen.

 

 

2.1 Ableitungsregel bei einfachen Potenzfunktionen

 

 

f (x) = x²                      f’ (x) = 2x

f (x) = x³                      f’ (x) = 3x²

f (x) = xn                      f’ (x) = n*x n-1

 

Bei Potenzfunktionen gilt allgemein: Der Exponent rückt vor das  x , und der Exponent wird um 1 verringert.

 

2.2 Ableitungsregel bei Potenzfunktionen mit Faktor vor der Potenz

 

f (x) =3 x²                    f’ (x) = 3*2x 1 = 6 x

f (x) = 4 x 4                  f’ (x) = 4*4 x 3 = 16 x 3

f (x) = m xn                  f’ (x) = m*n*x n-1

 

Steht ein Faktor vor der Funktion, bleibt dieser Faktor erhalten und wird einfach mit multiplitiert.

 

 

2.3 Ableitungsregel bei Summen und Differenzen von Potenzfunktionen

 

f (x) =3 x² + 2x            f’ (x) = 3*2x 1 + 2*1x0 = 6 x + 2

                       

f (x) = m xn + k xl        f’ (x) = m*n*x n-1+ k*l*xl-1

 

Summen und Differenzen werden gliedweise abgeleitet.

 

Beispiel:

 

f (x) = 0,5x³ + 3x² - 5x + 3

f’(x) = 1,5x² + 6x – 5

 

Wer aufgepasst hat sieht, dass das Absolutglied (Glieder ohne x) am Ende rausgeflogen ist. Warum das so ist wird auf der nächsten Seite erklärt.

 

2.4 Kleiner Ausflug in die Potenzen

 

Für alle die im Potenzrechnen nicht mehr so fit sind, hier ein paar Regeln

 

x0 = 1              Eine beliebige Zahl hoch null ist immer 1

 

x1 = x               Eine Zahl hoch 1 ist immer die Zahl selbst

 

x2 = x * x

 

x3 = x * x * x

 

Im Beispiel auf der vorherigen Seite konnte man sehen, dass aus 5x in der Funktionsgleichung nur die 5 übrig blieb.

 

5x = 5 * x1       Man kann für jedes x auch x1 schreiben.

 

Nach der Ableitungsregel für Potenzen f’(x)= n*xn-1 gilt:

 

5 * 1 * x 0        x 0 = 1

 

5 * 1 * 1 = 5   Es bleibt also nur die 5 übrig.

 

 

Ein Absolutglied in der Funktion

 

Eine Zahl am Ende der Funktionsgleichung, der Absolutfaktor, verschiebt eine Funktion nur auf der y-Achse, je nach Vorzeichen,  noch oben oder nach unten. An der Steigung der Funktion in jedem beliebigen Punkt auf dem Funktionsgraph ändert der Absolutfaktor nichts. Das bedeutet aber, dass er beim Ableiten entfällt, da die Ableitung ja nur die Steigung in einem Punkt ausdrückt.

 

Ein Absolutglied in einer Funktionsgleichung fällt beim Ableiten raus

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Beispiel:

Die obenstehende Grafik zeigt bei

1 f (x)=0,5x³ + 3x² - 5x + 3 und bei

2 f (x)=0,5x³ + 3x² - 5x

 

Wie man sieht ist der Graph bei 1 einfach um 3 nach oben verschoben.

(1 schneidet y bei 3, 2 bei 0)

 

Die rote Kurve zeigt die 1. Ableitung beider Funktionen.

3 f (x)=1,5x² + 6x – 5

 

Wie man sieht, hat das Absolutglied keine Auswirkung auf die Ableitung.

3 Ableitungsregeln verschiedener Funktionen

3.1 Die Konstante Funktion.

 

Ausgangsfunktion         f(x) = c

 

1. Ableitung                 f‘(x) = 0

 

Anmerkung: Die konstante Funktion hat als erste Ableitung immer 0, da sie nirgends eine Steigung aufweist.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

3.2 Die Lineare Funktion

 

Ausgangsfunktion         f(x) = mx + c

 

1. Ableitung                 f‘(x) = m

 

Anmerkung: Nur der Faktor bleibt erhalten, da ja nur er das Maß für die Steigung der Funktion ist. X und die Konstante c fallen raus.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

3.3 Die Potenzfunktion ohne Faktor

 

Ausgangsfunktion         f(x) = xn

 

1. Ableitung                 f‘(x) = n × x n-1

 

Anmerkung: Der Exponent wandert vor das x und wird selbst um eins verringert.

 

Allgemein gilt : f‘(x) = n × x n-1

 

 

 

 

 

 

 

 

 

3.4. Die Potenzfunktion mit Faktor

 

Ausgangsfunktion         f(x) = a × x n

 

1. Ableitung                 f‘(x) = a ×n × x n-1

 

Anmerkung: Der Exponent wandert wieder vor das x und wird dort mit a multipliziert. Der Exponent selbst wird wieder um eins verringert. Der Faktor vor der Funktion wandert unverändert vor die abgeleitete Funktion.

 

Der Faktor bleibt erhalten!

 

 

 

 

 

 

 


 

3.5 Die ganzrationale  Funktion

 

Ausgangsfunktion        

f(x) = a × x n      + b × xm    + c × x

 

1. Ableitung                

f‘(x) = an × x n-1 + bm × xm-1       + c

 

Anmerkung:  Die ganzrationale Funktion wird Gliedweise wie die normale Potenzfunktion abgeleitet. Das heißt in jedem Glied wird der Exponent wieder mit dem Faktor vor dem x multipliziert. Der Exponent wird dann wieder um eins vermindert.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

3.6 Die Sinusfunktion

 

Ausgangsfunktion                     f(x) =  sin (x)

 

1. Ableitung                             f‘(x) = cos (x)

 

2. Ableitung                             f(x) = - sin (x)

 

Anmerkung:  Die Ableitung der Sinusfunktion ist einfach um +90°  ( Pi/2) phasenverschoben. Das bedeutet aus Sinus wird Kosinus. Verschiebt man noch weiter zur 2. Ableitung  wird daraus der negative Sinus.

 

 

 


 

 

 

 

 

 

 

3.7 Die Wurzelfunktion

 

 

Ausgangsfunktion        

f(x) =  Öx

 

1. Ableitung                


 

 


Anmerkung: Die Ableitung der Wurzelfunktion kann man am einfachsten erklären, wenn man die Wurzel als Potenz mit einem Bruch im Exponenten betrachtet.

f (x) = Öx = x ½

Nun gilt die allgemeine Regel für Potenzen. Die Potenz kommt vor das x und wird um 1 verringert.

f‘ (x) = ½ × x

Jetzt ist der Exponent negativ und kann zur 2 in den Nenner wenn das Vorzeichen positiv wird.


f‘ (x) =       1

                2 × x ½

Zuletzt macht man aus der Potenz im Nenner wieder die Wurzel und hat damit die endgültige Ableitung.

 

 

 

 

3.8 Die Funktion 1/x

 

Ausgangsfunktion        

f(x) = 1/x 

 

1.Ableitung     

f‘(x) = - 1/x²

 


Anmerkung: Da der Ausdruck 1/x auch in Potenzschreibweise  dargestellt werden kann, ist er auch mit der Potenzregel differenzierbar.


 


x -2 kommt jetzt wieder in den Nenner!

 


 


Über die Kehrwertregel kommt man zum gleichen Ergebnis. Man kann sie auch leicht anwenden, wenn in der Ausgangsfunktion x in höherer Potenz im Nenner steht.

 

Die Regel besagt:             y=1/v dann ist y‘= -v‘/v²

 

Beispiel:         f (x) = 1 /       

dann ist            v‘= 3x²

und                  v² = (x³)² = x6

 


                                  

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 



3.9 Die Ableitung eines Faktors vor der Sinusfunktion

 

 

Ausgangsfunktion                    

y = a × f(x)

 

1.Ableitung                                         

y = a × f‘ (x)

 

Anmerkung: Der Faktor vor einer Funktion bleibt auch in der Ableitung unverändert erhalten.

 

Beispiel: y = 5 × sin (x) y‘ = 5 × cos (x)

 

Da der Faktor hier nur die Amplitude der Sinusfunktion ist,  bleibt er auch in der Ableitung unverändert erhalten. Das gilt für alle Funktionen vor denen ein Faktor steht.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

3.10 Die Ableitung der Summe mehrerer Funktionen (Summenregel)

 

 

Ausgangsfunktion

y = a × f(x) + b × g(x) + c × h(x) 

 

1. Ableitung

y‘ = a × f‘(x) + b × g‘(x) + c × h‘(x)

 

Anmerkung: Die Faktoren vor den Einzelfunktionen bleiben wieder erhalten, die Einzelfunktionen selbst werden gliedweise abgeleitet.

 

Beispiel:                                  

f(x)       = 3 × sin(x)       + 2 × Öx            + 0,5 x²

 

f‘(x)     = 3 × cos(x)      + 2 × 1/(2×Öx)   + 0,5 ×  2x

 

f‘(x)     = 3 × cos(x)      + Öx                + x

 

Besteht eine Funktion aus einer Summe mehrerer Funktionen, so wird jeder Summand einzeln differenziert.

 

3.11 Die Ableitung des Produktes mehrerer Funktionen (Produktregel)

 

Besteht eine Funktion aus mehreren Funktionen, die miteinander multipliziert werden, so kann nicht gliedweise differenziert werden.

 

Die Produktregel sagt:

 

f  (x) = g(x) ´ f(x)       

f ’(x) = g’(x) ´ h(x) + g(x) ´ h’(x)

 

Beispiel:

 

Gegeben ist die Funktion f (x) = ´ sin (x).

Gesucht ist die 1. Ableitung

 

Hier ist also      g(x)     

und                  h(x)      sin (x)

                                                                 

 

Eingesetzt in die Produktregel

 

f ’(x) = 2x ´ sin(x) + ´ cos(x)

 

 

 


3.12 Die Ableitung des Quotienten mehrerer Funktionen (Quotientenregel)

 

Besteht eine Funktion aus mehreren Funktionen, die durcheinander geteilt werden, so kann nicht gliedweise differenziert werden.

 

Die Quotientenregel sagt:

 

f  (x) = g(x) / f(x)         

f ’(x) = g’(x) ´ h(x) - g(x) ´ h’(x)

                              ( h(x)

Beispiel:

 

Gegeben ist die Funktion f (x) = / sin (x).

Gesucht ist die 1. Ableitung

 

Hier ist also      g(x)                            

und                  h(x)                             sin (x)

und                  (h(x))²                          sin²(x)                    

 

Eingesetzt in die Quotientenregel

 

f ’(x) = 2x ´ sin(x) - ´ cos(x)

                            sin²(x)

 


3.13 Die Ableitung von verketteten Funktionen

 

Besteht eine Funktion aus mehreren Funktionen, die miteinander verkettet sind, kann nicht gliedweise differenziert werden. Hier muss die Kettenregel angewendet werden. Die Kettenregel sagt aus, dass die Ableitung der inneren Funktion mit der Ableitung der äußeren Funktion multipliziert werden muss, um die Ableitungsfunktion der Gesammtfunktion zu erhalten.

 

 

Die Kettenregel sagt:

 

f (x)      = g ( h (x) )

 

f ’(x)    = g ‘ ( x ) * h ‘ ( x )

 

 

Beispiel:

 

Gegeben ist die Funktion f (x) = sin ( )

Gesucht ist die 1. Ableitung.

 

 

 

Hier ist

g (x)     =  sin ( x )       

( das x in der Klammer ist natürlich x², wird aber weggelassen, da es zur Ableitung der äußeren Funktion nicht notwendig ist. )

 

und                 

h (x)     = 

 

 

Die Ableitung von g ( x )

Die Ableitung der Sinusfunktion ist die Kosinusfunktion, also ist

 

g ( x ) = cos ( x )

 

Das x in der Klammer wird jetzt  wieder durch das x² ersetzt:

 

g ( x )            = cos ( x² )

 

 

Die Ableitung von h ( x )

 

h ’ ( x )            =  2x

 

 

Eingesetzt in die Produktregel:

 

f ’(x)    = cos ( x² ) * 2 x

 

 

 

 

 

 

 

 

3.14 Ableitung der Exponentialfunktion

 

Bei den bisherigen Funktionen hatten wir noch nie x im Exponenten. Dadurch haben wir bis jetzt auch noch keine Möglichkeit, diese Funktionen abzuleiten.

 

Sehen wir uns zunächst einige Funktionen an:

 

Zunächst fällt auf, dass alle Funktionen durch den Punkt (0/1) gehen. Das ist auch logisch, da jede reelle Zahl hoch 0 per Definition 1 ergibt.

 

Eine Besonderheit unter den Exponentialfunktionen bildet die e-Funktion, die als Basis die Zahl e hat. e ist eine irrationale Zahl (e = 2,7182818......) die auf den Mathematiker Leonhard Euler zurückgeht.

 

Genau diese e-Funktion bildet den Schlüssel für die Ableitungen aller Exponentialfunktionen. Zuerst muss man zwei Dinge Wissen:

 

1.      Jede Exponentialfunktion kann auf die  e-Funktion zurückgeführt werden.

2.      Die Ableitung der Funktion ex ist ex.

 

Wie wandelt man eine beliebige Funktion in eine e-Funktion um?

 

Es gilt:           

 

 

Man kann also jede Funktion umwandeln in dem man als Basis e wählt und in den Exponenten  einsetzt.

 

Beispiele:      

 

 

                                              

 

 

( Kann man mit dem Taschenrechner kontrollieren )

 

 

3.14.1 Vorgehensweise beim Ableiten

 

Beispiel:

 

Finden Sie die erste Ableitung der Funktion

 

 

1. Umwandeln in eine e-Funktion

 

 

2. e-Funktion ableiten

 

Sieht man sich die Funktion  genauer an, fällt auf dass es eigentlich eine Verkettung von    und    ist. Und bei verketteten Funktionen gilt ja „innere Ableitung mal äußere Ableitung“. Also bilden wir zuerst die innere Ableitung:

 

 

Die äußere Ableitung ist:

 

      

 

Weil die Ableitung der e-Funktion die e-Funktion ist.

 

Hierbei ist wieder daran zu denken, dass für  x im Exponenten eigentlich  steht.

 

Also ist die innere mal die äußere Ableitung:

 

 

wobei der 2. Teil  ja genau   entspricht. Also ist:

 

 

 

 

Zusammengefasst gilt also:

 

Exponentialfunktion                 

 

1. Ableitung                            

 

 

Weiteres Beispiel:

 

 

Umwandeln in die e-Funktion:

 

 

 

innere Anleitung ist:

 

            (Produktregel anwenden)

 

 

 

äußere Ableitung ist:

 

 

              

und das entspricht       

 

 

innere mal äußere Ableitung ist:

 

 

 

 

 

 

Also ist:

 

 


 4 Anwendungen der Differentialrechnung

 

4.1 Kurvendiskussion

 

4.1.1 Einführung

 

Die Kurvendiskussion hilft uns, den graphischen Verlauf einer Funktion zu erkennen. Heute nehmen uns Programme wie Funktionsplotter oder graphische Taschenrechner diese Arbeiten weitgehend ab. Aber zum Verständnis wie der Graph einer Funktion aussieht, sind Kenntnisse zur Bestimmung von Kurvenmerkmalen wichtig. Diese Merkmale sind beispielsweise das Monotonieverhalten, Nullstellen oder Extremwerte der Funktion.

 

Über die Kurvendiskussion werden genau diese Merkmale herausgearbeitet, und können abschließend in einer Skizze dargestellt werden.

 

 

Bevor wir Beginnen, will ich erst einen kurzen Überblick geben, was alles nötig ist um eine Kurvendiskussion durchzuführen.

 

1.Die erste, zweite und  dritte Ableitung der Funktion muss gefunden werden.

 

2.Der Definitionsbereich muss bestimmt werden. In der Regel kommen bei Abiturprüfungen ganzrationale Funktionen vor, deren Definitionsbereich die realen Zahlen sind. Kommt aber ein gebrochen rationale Funktion (x steht im Nenner der Funktion) vor, gibt es Grenzwerte oder Polstellen die beschrieben werden sollen.

 

3.Das Monotonieverhalten der Funktion. (Punkt- oder Achsensymmetrie)

 

4.Nullstellen der Funktion (Stellen an denen der Graph die x-Achse schneidet)

 

5.Extremwerte der Funktion (Hoch-, Tief- und Sattelpunkte)

 

6. Wendepunkte

 

7. Das Verhalten im Unendlichen.

 

8.Die Skizze

 

4.1.2 Ableitungen einer Funktion

 

Der erste Schritt der Kurvendiskussion ist immer das Finden von Ableitungen der Funktion. (gibt immer Punkte!)

 

 

Folgende Funktion ist gegeben:                       

 

1. Ableitung                                                   

 

2.Ableitung                                                    

 

3. Ableitung                                                   

 

 

4.1.3 Monotonieverhalten der Funktion

 

Wenn wir von Monotonieverhalten sprechen, meinen wir, in welchen Bereichen die Funktion steigt oder fällt. In den Bereichen, in denen sie steigt, ist sie monoton steigend ansonsten ist sie monoton fallend.

 

Wie bekommen wir nun raus, wo eine Funktion steigt oder fällt?

 

Wir wissen ja bereits, dass die erste Ableitung die Tangentensteigung der Funktion angibt. Also müssen wir nur herausfinden, wo die Tangentensteigungsfunktion positiv oder negativ ist. Denn dann können wir genau die Bereiche eingrenzen in denen die Funktion f (x) steigt oder fällt.

 

 

1. Ableitung                

 

3 ausgeklammert         

 

In der Klammer sehen wir jetzt x² - 4 .  Die gesamte Funktion ist genau dann Null, wenn

(x² - 4) Null ergibt, denn 3 mal (0) ist ja bekanntlich Null.

 

Wenn also x den Wert 2 hat, ist der Funktionswert Null. Aber auch bei einem x-Wert von  -2 ist der Funktionswert Null. Daraus können wir aber gleichzeitig folgern, dass links von x = -2 und rechts von x = 2 die Ableitungsfunktion positiv sein muss, und dadurch die Funktion auch monoton steigend ist. Das können wir überprüfen, indem wir verschiedene Werte in die Ableitungsfunktion einsetzen.

 

x = -3                                   positiv

 

x = -2                                     null

 

x = -1                                   negativ

 

x = 1                                                   negativ

 

x = 2                                         null

 

x = 3                                         positiv

 

 

 

 

 

 

 

 

Man schreibt:

 

f(x) = monoton steigend für       x < -2             und x > 2

(f von x ist monoton steigend für x kleiner –2 und x größer 2)

 

f(x) = monoton fallend  für         x > -2             und x < 2

 

 

Rechts ist der ungefähre Verlauf der Funktion skizziert. Man bekommt hier schon einen ersten Eindruck über die Kurvenform.

 

4.1.4 Symmetrieverhalten

 

Es gibt einige einfache Merkmale einer Funktion (Ganzrational), an den man klar ablesen kann, ob die Funktion Achsensymmetrisch ist. Achsensymmetrisch bedeutet hier, dass der Graph an einer Achse (x, y) gespiegelt ist.

 

Hat eine Funktion nur gerade Exponenten, ist sie achsensymmetrisch zur y-Achse.

 

 

Für die Punktsymmetrie gibt es auch ein Merkmal: (bei ganzrationalen Funktionen)

 

Hat eine Funktion nur ungerade Exponenten, ist sie punktsymmetrisch zum Ursprung.

 

 

 

Es gibt aber auch Funktionen, die nicht zur y-Achse symmetrisch sind, aber trotzdem eine  Achsensymmetrie besitzen.

 

Die Nebenstehende Funktion zeigt diesen Zusammenhang an der Funktion

 

 

Wie man sieht, ist die Symmetrieachse eine senkrechte Linie, welche die x-Achse im Punkt 2 schneidet. Wie die Funktion schon zeigt wird hier von jedem x-Wert zwei abgezogen und dadurch die Funktion um zwei Punkte nach rechts verschoben. Daraus kann man aber auch den Schluss ziehen, dass die Funktion achsensymmetrisch zur y-Achse währe, wenn man von jedem x-Wert 2 abzieht!

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Auf unsere Ausgangsfunktion bezogen gilt also:

 

         

hat nur ungerade Exponenten (x = x1), ist also punktsymmetrisch zum Ursprung.

 

 

4.1.5 Nullstellen

 

 

Die Nullstellen einer Funktion sind die Stellen, an denen der Graph die x-Achse schneidet, also der Funktionswert null ist.

 

Da wir eine Funktion haben, bei der die höchste Potenz eine 3 ist, können auch maximal 3 Nullstellen auftreten. Es können aber auch weniger sein.

 

 

Erste Nullstelle

 

Da die Funktion nur ungerade Exponenten aufweist, wissen wir aus dem Symmetrieverhalten, dass eine Nullstelle im Ursprung des Koordinatensystems liegen muss. Also ist eine Nullstelle bei

 

x1 = 0.

 

 

 

 

Weitere Nullstellen

 

Da der Funktionswert (y-Wert) an einer Nullstelle null ist, setzen wir die Funktionsgleichung einfach zu null.

 

 

 

Die anderen Nullstellen bekommen wir durch Ausklammern von x.

 

 

 

Da bei einer Multiplikation das Ergebnis immer null ist, sobald ein Faktor null ist, liegt die Lösung auf der Hand. Eine Nullstelle ist x = 0, da der Faktor x vor der Klammer die eine Möglichkeit darstellt (Haben wir ja schon aus dem Symmetrieverhalten erkannt). Die zweite Möglichkeit, um die Multiplikation zu null werden zu lassen ist die Lösung der Klammer (x² - 12).

 

Da das eine quadratische Gleichung ist, lösen wir diese einfach mit der A-B-C Formel auf.

Unsere Komponenten sind

 

 

A=1     B=0     C=-12

 

 

 

 

 

                    

 

 

Die beiden anderen Lösungen sind also x2 = 3,4641 und x3 = -3,4641

 

Unsere Funktion  hat also drei Nullstellen und die sind.

 

x1 =     -3,4641           x2 =     0          x3 =     3,4641

 

Mit diesen Ergebnissen können wir unsere Funktion schon etwas genauer skizzieren.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

4.1.6 Lokale Extremwerte ( Minimum, Maximum )

 

 

Unter lokalen Extremwerten versteht man die Punkte im Graph, bei denen die höchsten und tiefsten Punkte liegen. Lokal sind sie deshalb, weil wir ja nur ein beschränktes Intervall (Ausschnitt) betrachten. Links und rechts dieses Intervalls können die Funktionswerte größer oder kleiner sein.

 

 

 

4.1.7 Hochpunkte und Tiefpunkte

 

Eine Funktion hat dann einen Hochpunkt, wenn links und rechts keine Punkte liegen, die höher sind (logisch :-)

Das Gleiche gilt analog für Tiefpunkte

 

Weiterhin ist die Steigung der Tangente in diesem Punkt der Funktion null (Berggipfel/Tal). Diese Bedingung für eine Extremwert bezeichnet man auch mit grundlegende Bedingung.

 

 

4.1.8 Grundlegende Bedingung

 

Da wir bereits wissen, dass die erste Ableitung einer Funktion etwas über die Tangentensteigung aussagt, müssen wir diese nur zu null setzen um Punkte zu finden die eine Tangentensteigung von Null besitzen.

 

 

Erst Ableitung          

 

Nullsetzen                 

 

 

Hier handelt es sich wieder um eine quadratische Gleichung, die wir mit der A-B-C Formel auflösen.

 

A=3     B=0     C=-12

 

 

 

 

 

                

 

 

 

Die erste Ableitung hat also zwei Nullstellen und die sind.

 

x1 =     -2         x2 =     2

 

Wir wissen jetzt, dass unsere Funktion zwei lokale Extremwerte besitzt. Wir müssen aber noch prüfen, welcher ein Hochpunkt oder ein Tiefpunkt ist.

 

Diese Prüfung ist die sogenannte hinreichende Bedingung.

 

 

4.1.9 Hinreichende Bedingung

 

Überlegen wir, wie wir die beiden Punkte unterscheiden können. Dazu setzen wir die gefundenen Punkte in die zweite Ableitung für x ein, erhalten wir unterschiedliche Ergebnisse.

 

2. Ableitung                            

 

 

                    

 

Negativ                                               Positiv

 

 

Wir bekommen in der zweiten Ableitung einmal einen positiven und einmal einen negativen Wert.

 

Ein Hochpunkt in einer Funktion hat links davon immer eine positive Tangente und rechts eine Negative. Der Hochpunkt selbst hat eine Steigung von null.

 

Ein Tiefpunkt in einer Funktion hat links davon immer eine negative Tangente und rechts eine Positive. Der Tiefpunktpunkt selbst hat eine Steigung von null.

 

Da die Ableitung der Ableitung ( 2. Ableitung ) ja ebenfalls die Tangentensteigung der ersten Ableitung angibt, muss im entsprechenden x-Wert bei einem negativer Wert in der 2. Ableitung ein lokales Maximum darstellen. Ein positiver Wert ist dann ein Minimum.

Nach dem wir also festgestellt haben wo Extremwerte liegen, müssen wir diese nur noch in die 2. Ableitung einsetzen und das Ergebnis prüfen.

 

Positives Ergebnis in der 2. Ableitung   =          lokales Minimum

 

Negatives Ergebnis in der 2. Ableitung =          lokales Maximum

 

 

4.1.10 Sattelpunkte

 

 

Sattelpunkte sind die Stellen einer Funktion an denen kein Maximum oder Minimum vorliegt, aber dennoch die erste Ableitung keine Tangentensteigung hat.

 

Sie werden genau wie Extremwerte gesucht. Die gefundenen x-Werte ergeben in der 2. Ableitung aber als Ergebnis eine null.

 

Ergebnis null in der 2. Ableitung                 =          Sattelpunkt

 

 

 

Wie man sieht, hat die nebenstehende Funktion weder einen Hoch- noch einen Tiefpunkt. Die Stelle an der die Tangentensteigung Null ist, liegt hier ein Sattelpunkt.

 

Bei unserer Funktion ergab die hinreichende Bedingung allerdings einen Hochpunkt bei x = -2 (weil in der 2. Ableitung das Ergebnis negativ war) und einen Tiefpunkt bei x = 2 (Positive 2. Ableitung)

 

Einsetzen in die Ursprungsgleichung

 

Wir setzen die gefundenen Punkte noch in die Ursprüngliche Funktion ein um die y-Werte auszurechnen.

 

zu x = -2         

 

zu x = 2          

 

Wir haben also ein lokales Maximum bei

(-2 / 16)

 

und ein lokales Minimum bei

(2 / -16)

 

 

Man erkennt jetzt schon ziemlich genau den Verlauf der Funktion. Auch dass die Funktion keinen Sattelpunkt hat.

4.1.11 Wendepunkte

 

 

Ein Wendepunkt einer Funktion, lässt sich am einfachsten an einem anschaulichen Beispiel verdeutlichen. Stellt euch vor, ihr sitzt im Auto und fahrt auf einer Kurvenreichen Straße. Eine Rechts- und eine Linkskurve kommen direkt nacheinander.

 

Ihr fahrt jetzt in die Rechtskurve ein und müsst stark lenken, wenn ihr aber aus der Kurve ausfahrt, wird das Lenkrad wieder in Richtung seines Ursprungs zurück gedreht. Jetzt kommt irgendwann der Punkt, an dem die „Nullstellung“ des Lenkrades erreicht wird und ihr anfangt in die Linkskurve einzufahren.

 

 

Der Punkt zwischen den Kurven wo das Lenkrad auf seinem Ursprung steht ist ein Wendepunkt.

 

Wie man an der Grafik schon deutlich sieht, muss die Tangentensteigung am Wendepunkt am größten sein. Die erste Ableitung der Funktion muss hier also ein Maximum besitzen, und nach einem Maximum haben wir schon einmal gesucht.

 

Besitzt die erste Ableitung ein Maximum muss die zweite Ableitung genau dort eine Nullstelle haben.

 

1.Maximum der ersten Ableitung = Nullstelle der zweiten Ableitung

 

 

Funktion                                

 

1. Ableitung                                                  

 

2.Ableitung                                                   

 

3.Ableitung                                                   

 

 

Zweite Ableitung Nullsetzen

 

 

Nach x auflösen

 

 

Wir haben also eine Nullstelle im Koordinatenursprung gefunden, müssen aber noch prüfen, ob es sich wirklich um einen Wendepunkt handelt.

 

Dazu müssen wir prüfen ob an der Stelle des gefundenen Punktes die 3. Ableitung ungleich Null ist (sonst wäre es ja ein Sattelpunkt).

 

 

Da die 3. Ableitung konstant 6 ist, muss im Punkt 0 / 0 ein Wendepunkt sein.

 

4.1.12 Verhalten im Unendlichen

 

Im untenstehenden Graphen ist der Verlauf der Funktion

 

mit den gefundenen Merkmalen gezeichnet. Das Intervall (der Ausschnitt) das wir hier sehen, ist allerdings von ca. –5 bis +5 beschränkt. Die Funktion liefert aber für alle positiven und negativen x-Werte den entsprechenden y-Wert. Die Frage ist nun wie sich die Funktion im Unendlichen (-/+) verhält.

 

Da  das Verhalten einer Funktion immer von dem Glied abhängt, dass x in der höchsten Potenz aufweißt, hier also x³, betrachten wir nur dieses Glied genauer.

 

Weiter ist klar, dass x im Nenner der Funktion nicht vorkommt und dadurch weder eine Polstelle noch ein Grenzwert vorliegt.

 

Durch x³ ist also ganz klar zu erkennen, dass bei großen x-Werten auch große y-Werte als Ergebnis auftauchen. Im positiven Bereich strebt die Funktion also gegen plus unendlich und im negativen x-Bereich gegen minus unendlich. (minus mal minus mal minus = minus)

 

Man sagt die Funktion divergiert

 

4.1.13 Andere Beispiele

 

Betrachten wir die einfache Funktion

 

 

Hier kann man deutlich sehen, dass bei steigenden x-Werten der Funktionswert immer kleiner wird und durch x² im positiven und im negativen. (minus mal minus = plus)

 

Man sagt, die Funktion konvergiert im unendlichen gegen Null.

 

Im Koordinatenursprung dagegen weißt die Funktion ein anderes Verhalten auf. Der Funktionswert wird bei immer kleineren x-Werten immer größer, erreicht aber nie die y-Achse.

 

Man sagt die x- und die  y-Achse sind Asymptote


Gebrochen-rationale Funktionen

 

Die Funktion

 

 

hat im Nenner x stehen. Überlegen wir wie sich die Funktionsgleichung verhält wenn x den Wert 2 hat.

 

 

Wir teilen durch Null, und das ist bekanntlich nicht definiert. Also hat die Funktion an dieser Stelle eine Lücke. Die Funktion nähert sich von beiden Seiten dem Grenzwert von –1, erreicht ihn aber nicht. Kann man in diese Lücke einen Grenzwert, hier –1, einsetzen, sagt man die Lücke ist hebbar.

 

 

 


4.1.14 Skizze

 

 

Abschließend wird die Funktion noch (am besten auf Millimeterpapier) gezeichnet, und alle gefundenen Merkmale beschriftet.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

4.2 Extremwertaufgaben

 

Der Bereich der Extremwertaufgaben beschäftigt sich damit, einen gegebenen Zusammenhang in einer Funktion abzubilden. Durch die Funktionsbeschreibung kann dann ein evtl. Hoch- oder Tiefpunkt ( Extremwert ) errechnet werden.

 

Oft sind es Aufgaben aus der Verpackungsindustrie, die versuchen z.B für ein Dosenvolumen die kleinstmögliche Oberfläche der Dose zu berechnen, um den Materialaufwand so klein wie möglich zu halten.

 

 

4.2.1 Beispielrechnung für eine Extremwertaufgabe

 

Aufgabe : Eine Blechdose mit 15 Liter (dm³) Inhalt, soll so gebaut werden, dass der Blechverbrauch minimal ist.

 

Der erste Ansatz ist hier, sich die Formeln für die beiden Bedingungen der Dose zu suchen. Diese Bedingungen sind erstens das Volumen der Dose, und zweitens die Oberfläche. Da die Oberfläche bei gegebenem Volumen ein Minimum haben muss, ist die Formel der Oberfläche die Extremalbedingung. Die zweite Formel zur Volumenberechnung ist die sogenannte Nebenbedingung

 

 

 

Extremalbedingung

 

Oberfläche       = 2 × Grundfläche         + Mantelfläche

            O         = 2 × P × r²                   + 2 × P × r × h

                                              

Nebenbedingung

                                  

Volumen          = r² × P × h      

 

In der Formel für die Oberfläche sind zwei Größen unbekannt ( r, h). Wir verändern deshalb die die Nebenbedingung so, dass h gesucht ist. Diese Formel können wir dann in die Extremalbedingung einsetzen. (Ist eigentlich nur die Anwendung des Einsetzungsverfahrens)

 

     

 


Im nächsten Schritt setzen wir h in die Extremalbedingung ein und vereinfachen den gefundenen Ausdruck

 

 

 

Jetzt haben wir die Funktion gefunden, bei der wir ein Minimum suchen. Zum weiteren Vorgehen müssen wir noch die 1. und 2.. Ableitung der Funktion suchen.

 

 

Funktion        

1. Ableitung   

2. Ableitung   

 

 

Da wir schon wissen, dass die erste Ableitung einer Funktion die Tangentensteigungsfunktion ist, müssen wir diese nur zu Null setzen, und nach dem Radius (r) auflösen.

(Zur Erinnerung: Ist die Steigung einer Tangente 0, handelt es sich um einen Hoch- oder Tiefpunkt.)

 

 

Erste Ableitung Null setzen

 

 

              1,337 dm

 

Nun wissen wir, dass bei einem Radius von 1,337 dm ein Hoch- oder Tiefpunkt der Funktion liegt. Durch Einsetzen des Wertes in die 2. Ableitung können wir erkennen, um was es sich handelt

(Ergebnis ist positiv = Minimum, Ergebnis ist negativ = Maximum)

 

r Einsetzen in die 2. Ableitung

 

                               = 37,67           Lokales Minimum

Da das Ergebnis positiv ist, handelt es sich um einen Tiefpunkt der Funktion.

Anders gesagt, bei einem gegebenen Volumen von 15 Litern und einem Radius von 1,337 dm ergibt sich ein Minimum an Materialverbrauch.

 

 

Zum Schluss setzen wir noch den gefundenen Radius in die Nebenbedingung ein, um die Höhe auszurechnen.

 

 

 

 

h = 2,673

 

Das Ergebnis unserer Aufgabe ist somit:

 

 

h = 2,673 dm              r = 1,337 dm

 

Abschließend zeichnen wir die Funktion.

 

 

 

 

Die Funktionsgleichung in der „Normalform“ sieht so aus:

 

 

Wie man sieht, ist wirklich bei 1,337 ein Tiefpunkt der Funktion.

 

 

4.2.2 Eine Dose mit halbrundem Kopf

 

Die zweite Aufgabe ist etwas komplexer, aber kann auf die gleiche Weise gelöst werden.

 

Aufgabe:

 

Eine Dose (V=15 Liter ) soll einen halbrunden Aufsatz bekommen. Die Frage ist nun, bei welchem Verhältnis von Radius und Höhe die Oberfläche ein Minimum hat.

 

 

Extremalbedingung

 

Oberfläche       =  Boden         +          Mantelfläche          +    Halbkugel

O                     =  P r²            +          2 P r × h                +    2 P

                                  

Nebenbedingung

                                  

Volumen          = Vzylinder          +          VKugel

V                     = P× h          +          2/3 P

 

Nebenbedingung umstellen nach h

 

 

Einsetzen von h in die Extremalbedingung

 

 

O         =  P r²            +          2 P r × h                +    2 P

 

O         =  P r²            +          2 P r × ()                 +    2 P

Zusammenfassen

Kürzen

 

 

Zusammenfassen

 

 

 

 

Funktion                               

  

 

1.Ableitung                           

 

2.Ableitung                           

 

 

Nullsetzen der ersten Ableitung

½         +2V/r²

 

              ½         / 2V

 

                ½         / r

 

                  ½         Stürzen u. 3. Wurzel

 

 

 

 

Ergebnis in die 2. Ableitung einsetzen

 

 

 

Der gefundene Wert ist ein lokales Minimum

 

Abschließend setzen wir h in die Nebenbedingung ein, um die Höhe zu berechnen.

 

 

 

r = h

 

Der Materialverbrauch ist, egal welches Volumen der Behälter hat, am geringsten, wenn der Radius und die Höhe den gleichen Wert haben.

Abschließend zeichnen wir die Funktion.

 

 

 

Die Funktionsgleichung in der „Normalform“ sieht so aus:

 

 


4.2.3 Extremwertaufgabe „Zylinder im Kegel“

 

Aufgabe: In einem Kegel mit dem Verhältnis Höhe zu Durchmesser gleich 3/2, soll ein Zylinder mit maximalem Volumen gefunden werden.

 

Extramalbedingung

 

 

 

Nebenbedingung

Die Nebenbedingung wird uns von der Geradengleichung  y=mx+b geliefert. Wir erstellen sie für die gestrichelte (blaue) Seite des Kegels. Ihre Steigung bekommen wir aus dem Verhältnis Aus hk=-3 und rk=1. Der Achsenabschnitt ist dann hk=3.

 

 

Da y jeden Punkt auf der Gerade beschreiben kann, setzen wir ihn für hz in die Extremalbedingung ein. rz entspricht dann x.

 

Einsetzen, vereinfachen und ausmultiplizieren

 

 

der Funktion

 

                                  

 

Funktion

1.Ableitung

2.Ableitung

 

Erste Ableitung Nullsetzen und Maximalwerte suchen.

 

                       

a=-9P             b=6P 

 

 

Mit der A-B-C Formel bekommt man nun 2 Extremwerte x1=2/3  (0,6666...) und x2=0

 

Werte in die 2. Ableitung einsetzen

 

 

Für x1=-18,84 und für x2=18,84

 

 

Also liegt bei x1=2/3 ein Maximum der Funktion. Da der Radius des Kegels ja 1 ist gilt allgemein: 2/3 rk ist das Maximum.

 

Den gefundenen Wert in die Nebenbedingung einsetzen

 

 

In der Nebenbedingung ist x jetzt der gefundene Wert rz (2/3). y ist die Höhe des Zylinders.

 

 

 

 

Da die Höhe des Kegels 3 ist gilt die Beziehung

 

 

 

Der Zylinder hat ein Maximum bei rz=2/3rk und hz=1/3hk

 

4.2.4 Die Fläche eines Fußballplatzes

 

Ein Dorf möchte einen Fußballplatz mit einer 400m langen Laufbahn anlegen. Dabei soll der Sportplatz eine maximale Fläche habe.

Wie lang muss der Platz sein und wie groß ist die maximale Fläche des Platzes.

Die Fläche des Platzes ist

 

und das ist die Extremalbedingung.

 

 

Die Länge der Laufbahn ist 400m und setzt sich zusammen aus

 

 (Nebenbedingung)

 

 

Die Nebenbedingung stellen wir nach d um,

 

 

setzen sie in die Extremalbedingung ein und suchen die erste Ableitung.

 

 

Erste Ableitung Nullsetzen und nach l auflösen

 

         

 

Die Länge des Platzes muss also 100m sein

 

Die Fläche des Platzes errechnen wir, indem das Ergebnis in die Funktion eingesetzt wird.

 

 

Die Fläche beträgt dann 6366,2m²